Leselise am 16.06.2013

Wer macht sich schon Gedanken über die Höhen und Tiefen verschiedener Berufe, die er selbst nicht ausübt? Mit Holger Schossigs Buch „Sie kommen heute aber spät! 1280 Tage Paketzusteller-Wahnsinn³“ erhält man einen Einblick in den Beruf des Paketzustellers. Und dieser kann ganz schön nervenaufreibend sein, wie man den Tagebuch-Einträgen des Erzählers entnehmen kann. Die Misere beginnt eigentlich schon mit einem langen Bußgeldkatalog, dem der Paketzusteller dieses Buches wie einem Damoklesschwert untersteht. Auch die Arbeitsbedingungen des Erzählers sind nicht gerade die besten, so ist die Bezahlung gering und Ersatzpersonal für Krankheitsfälle gibt es auch nicht. Die sanitären Anlagen „stinken und stinken und stinken“ und die Kantine besteht lediglich aus einem Brötchen-, einem Kaffee- und einem Zigaretten-Automaten. Rahmenbedingungen dieser Art machen es dem Erzähler schwer, seine alltägliche Arbeit mit Freude auszuführen – ein Zustand, den es in unserer Arbeitswelt leider nur allzu häufig gibt. Und so kann man das Buch auch als einen 158 Seiten starken Beschwerdebrief an die Arbeitspolitik unserer Gesellschaft verstehen; ein Beschwerdebrief, der die Fakten unverblümt auf den Tisch legt.

Fazit: Umgänglich in der Sprache sensibilisieren die Geschichten den Leser für die Probleme von Arbeitnehmern, die der Willkür ihrer Arbeitgeber quasi ausgeliefert sind. Ein kräftiges Paket kurzweiliger Leseerlebnisse.


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